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Bildtexte: Diese zweisprachige Gedenktafel erinnert an die Häftlinge des KZ-Außenlagers Allach. Foto: Monika Volz; Jan und Trijntje van Noorloos. Foto: Yad Vashem; Begeisterte KZ-Häftlinge begrüßten am 30. April 1945 in Allach ihre Befreier. Foto: Sidney Blau, United States Holocaust Memorial Museum CC0 1.0; In der Granatstraße 10 in Allach steht die einzige erhaltene Baracke des KZ-Außenlagers Allach. Foto: Treck08 (Diskussion) CC0 1.0; Diese zweisprachige Gedenktafel erinnert an die Häftlinge des KZ-Außenlagers Allach. Foto: Monacofranzl, Public Domain; Die Grafik zeigt den Komplex des KZ-Außenlagers Allach. Foto: CC-AS 2.0

 

Jan van Noorloos- Gerechte unter den Völkern aus dem KZ Dachau von Klemens Hogen-Ostlender

Der Staat Israel hat 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen geschaffen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise ausgezeichnet – nicht nur Männer aus dem Priesterblock, sondern auch Gefangene beiderlei Geschlechts aus der großen Zahl der Laien, die im Lager eingekerkert waren. Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft, und wenn sie verstorben sind, auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum 1. Januar 2024 haben nach der neuesten Statistik 28.707 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 6.137 aus den Niederlanden. Einer von ihnen ist Jan van Noorloos.

„Van Noorloos, ich brauche Ihre Hilfe!“, sagte der Widerstandskämpfer zu Jan van Noorloos, einem Grundschullehrer in Barendrecht, einer Stadt im Ballungsraum Rotterdam im Süden der Niederlande. Der Bittsteller kam gleich zum Punkt: „Eine jüdische Familie ist in großer Gefahr. Sie muss so schnell wie möglich in Sicherheit gebracht werden!“ Jan van Noorloos zögerte nicht lange. „Bringt sie zu mir“, sagte er einfach. Das war 1942. Die jüdische Familie – drei verängstigte Menschen, die schon seit geraumer Zeit auf der Flucht waren, ständig in Gefahr und ohne sicheres Zuhause – traf bald darauf ein. Izak Knap (Jahrgang 1903) war Pelzhändler und Kürschner. Er war mit Roza (geb. Sanders, Jahrgang 1907) verheiratet. Sie hatten eine zwölfjährige Tochter, Sara. Die Familie Van Noorloos nahm sie mit offenen Armen auf, kümmerte sich um sie und sorgte dafür, dass es ihnen an nichts fehlte.

Ihr Haus mit der Nummer 192 an der Dorpsstraat lag nicht unmittelbar an der Straße, und dahinter befanden sich große Felder, die Barendrecht von Rotterdam trennten. Heute ist die gesamte Gegend dicht bebaut und eine stark befahrene Autobahn führt in der Nähe vorbei. Der 57jährige Jan und seine zwei Jahre Frau Trijntje gingen ein enormes Risiko ein, indem sie die Knaps versteckten. Ende 1943 kam außerdem eine weitere Person hinzu: Izaks 78jährige Mutter Hesje. Alles verlief recht gut bis zu einem schrecklichen Tag im April 1944. Plötzlich tauchten da deutsche Soldaten und niederländische Polizisten auf und durchsuchten das Haus. Der Grund für die Durchsuchung ist nie geklärt worden, aber das Ergebnis war, dass Izak und Hesje Knap sowie Jan, Trijntje und ihr Sohn Arie van Noorloos verhaftet wurden. Roza Knap gelang es, sich hinter der Treppe im Keller des Hauses zu verstecken, und Sara Knap floh auf die Felder. Izaks Schwester Henny, die sich in derselben Gegend versteckt hielt, wurde an diesem Tag ebenfalls verhaftet. Izak, Henny und ihre Mutter Hesje wurden in das Lager Westerbork im Norden des Landes transportiert und bald darauf ins KZ Auschwitz deportiert. Hesje wurde dort am 19. Mai 1944 ermordet, aber Izak und Henny gelang es, am Leben zu bleiben. Beide kehrten nach dem Krieg in die Niederlande zurück.

Das Ehepaar van Noorloos und der Sohn wurden in Rotterdam inhaftiert. Später verlegte die Gestapo Jan Van Noorloss nacheinander in mehrere anderen Gefängnisse in den Niederlanden. Dann kam er ins niederländische Konzentrationslager Herzogenbusch ostwärts seiner Heimatstadt. Am 26. Mai 1944 wurde er ins Konzentrationslager Dachau deportiert und erhielt dort die Häftlingsnummer 178 330. Die SS schickte ihn zur Arbeit ins nahegelegene Außenlager Allach. Gegen Kriegsende waren dort 10.000 KZ-Häftlinge sowie 7.000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zur Arbeit bei BMW gezwungen. Mehr als 1.000 KZ-Insassen starben. Am 30. April 1945, einen Tag nach dem KZ Dachau selbst, wurde das Lager und damit Jan van Noorloos von der US-Armee befreit.  Seine Frau und sein Sohn waren 1944 schon nach sechs Wochen freigelassen worden, nachdem jemand den Deutschen ein hohes Bestechungsgeld gezahlt hatte.

Die Familie van Noorloos wurde nach dem Krieg wieder vereint, als Jan aus Dachau zurückkehrte, aber er hatte sehr gelitten und es fiel ihm schwer, mit der lakonischen Haltung vieler seiner niederländischen Landsleute gegenüber den Überlebenden des Lagers umzugehen. Die Familie hatte ihr Leben riskiert, um jüdische Mitbürger zu retten, und dafür einen hohen Preis bezahlt. Dank ihres Mutes und ihrer Liebe überlebten drei Mitglieder der Familie Knap den Krieg. Leider erlebte Izaks Mutter Hesje, die vorher starb, die Befreiung nicht mehr. Am 2. Dezember 2014 erkannte Yad Vashem Jan und Trijntje van Noorloos als Gerechte unter den Völkern an.

 

Biografien weiterer Gerechter unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren und andere interessante Artikel: Link

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