

Fotos: Hendrika Jacoba Heinsius. Foto: Yad Vashem; Das Krematorium im KZ Ravensbrück. Foto: Matthias Süßen CC-AS 4.0
Hendrika Gerritsen-Heinsius – Gerechte unter den Völkern aus dem KZ Dachau von Klemens Hogen-Ostlender
Der Staat Israel hat 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen geschaffen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise ausgezeichnet – nicht nur Männer aus dem Priesterblock, sondern auch Gefangene beiderlei Geschlechts aus der großen Zahl der Laien, die im Lager eingekerkert waren. Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft, und wenn sie verstorben sind auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum 1. Januar 2024 haben nach der neuesten Statistik 28.707 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 6.137 aus den Niederlanden. Eine von ihnen ist Hendrika Jacoba Gerritsen-Heinsius.
Hendrikas bester Freund stirbt in Mauthausen
Am 12. April 1921 wird Hendrika Heinsius in Amsterdam geboren. Ihre Eltern Andreas Johannes und Hendrika Jacoba bekommen 1930 eine zweite Tochter. Hendrikas Vater ist Diamantarbeiter. Da diese Industrie damals fast völlig in jüdischen Händen ist, hat Hendrika schon früh viele jüdische Freunde und Bekannte. Nach ihrer Schulzeit beginnt sie im Warenhaus De Bijenkorf zu arbeiten, einem jüdischen Familienbetrieb, in dem auch die meisten Mitarbeiter Juden sind. Unter der deutschen Besatzung lebt Hendrika dann allein in einem kleinen Haus. Ihr bester Freund, Rudolf Richter, ist ein aus Deutschland in die Niederlande geflüchteter Jude. Bei einer Razzia wird er am 11. Juni 1941 mit 300 anderen jungen Männern verhaftet und kommt zunächst ins Lager Schoorl in den Dünen beim gleichnamigen Dorf in Nordholland. Dann wird er ins KZ Mauthausen bei Linz in Österreich deportiert und stirbt dort nach nur wenigen Monaten am 22. September. Hendrika ist zutiefst erschüttert, als sie von seinem Tod erfährt. Ein anderer jüdischer Freund, Leo Zwart, wohnt damals in Harderwijk ostwärts von Amsterdam. Er soll kurz darauf wie die meisten Juden im Land in die Großstadt umgesiedelt werden, eine Maßnahme, die den deutschen Besatzern später die Deportation möglichst vieler Juden in die Vernichtungslager im Osten erleichtern soll. Als Hendrika Heinsius das erfährt, bietet sie Leo an, ihn zu verstecken.
Intensive Mitarbeit im Widerstand
Sie mietete eine Zweizimmerwohung, in die sie beide einziehen. Das geht so lange gut, bis Leo am 6. November 1942 auf offener Straße festgenommen und in das Durchgangslager Westerbork deportiert wird. Hendrika wird von den Behörden verhört, jedoch nicht verhaftet. Sie hat fortan das Gefühl, beobachtet zu werden. Längere Zeit traut sie sich deshalb nicht an neue illegale Aktivitäten. Dann bittet eine Kollegin sie Anfang 1943 um Hilfe. Ihr jüdischer Freund Siegfried Goldsteen muss untertauchen. Er ist aus einem Arbeitslager für Juden geflohen. Hendrika gibt ihm Unterkunft in ihrer Wohnung und stiehlt im Warenhaus bei ihrem Arbeitgeber Lebensmittelkarten, um ihn versorgen zu können. Wenige Wochen später findet sie ein sichereres Versteck für Siegfried. Einige Zeit später ziehen sie in eine größere Wohnung: Zu der gehört ein Versteck, das auch eine Hausdurchsuchung unentdeckt überstehen kann. Auch Siegfrieds Bekannte Judith Fransman wird dort als erste untergebracht. Ein Freund im Verteilungsbüro für Lebensmittelkarten organisiert eine Möglichkeit für Hendrika, zusätzliche Marken auch für Judith zu bekommen. Hendrika weitet ihre Aktivitäten im Untergrund außerdem auf Bitten von Kameraden aus Amsterdamer Widerstandskreisen aus. Regelmäßig fährt sie nun in die Provinz Drenthe im Nordosten des Landes, um dort hergestellte gefälschte Papiere für Untergetauchte abzuholen. Die dünn besiedelte Gegend ist zu einem Zentrum für solche Aktivitäten im Untergrund geworden.
Süßlicher Geruch in Ravensbrück
Im Mai 1943 bringt Hendrika Isidore Walvisch in ein Versteck in Meppel in Drenthe. Die Operation ist äußerst riskant, auch weil seine Papiere schlecht gefälscht sind. Sie holt Isidore später Meppel zurück, als dort seine Verhaftung droht. Ihr Glück endet in der Nacht zum 2. Februar 1944. Die Wohnung wird von einem gemischten Trupp niederländischer Einsatzkräfte und deutscher Vorgesetzter gestürmt, Hendrika und Siegfried verhaftet. Sie erfährt später nur, dass Ihr Freund im Juni 1944 irgendwo in Osteuropa ums Leben gekommen sei. Hendrika selbst wird zunächst am 1. März 1944 noch in den Niederlanden als völlig rechtloser „Schutzhäftling“ mit der Nummer 10118 ins KZ Herzogenbusch eingeliefert. Dann kommt sie am 9. September mit der neuen Nummer 66835 ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. In ihrer Biografie schreibt sie später: „Durch das Tor marschierten wir singend ins Lager. Noch einmal sangen wir, dass sie uns nicht klein kriegen würden, dass wir am Ende doch siegen würden.“ Doch nach dem ersten Tag im KZ gesteht Hendrika: „Danach haben wir in Ravensbrück nicht mehr gesungen“. Verwirrung und Entfremdung breiten sich aus. Hendrika bekommt mit, das Schwangere im KZ Kinder zur Welt bringen. Was wird aus ihnen werden? Sie bemerkt auch einen süßlichen Geruch, den der Wind oft durchs Lager weht. Er kommt von den Schornsteinen des Krematoriums. Hendrika wird etwas Zynisches bewusst: „Ein Bild drängte sich auf, das Bild vom Kreislauf des Lebens. In diesem Lager vollzog sich der ganze Kreislauf, es wurde geboren, gearbeitet und gelitten, dann folgten die Abstumpfung, der körperliche Verfall und schließlich der Tod. Dann ging man in Rauch auf. Und die Lebenden atmeten den Geruch ein bis zu dem Tag, an dem auch ihre Zeit gekommen war.“
Im Agfa-Kommando
Hendrika Heinsius bleibt nicht lange in Ravensbrück. In überfüllten Viehwaggons wird sie im zahlreichen Kameradinnen nach dreitägigem Transport am 15. Oktober ins KZ Dachau eingeliefert. Gleich nach der Ankunft kommt sie, nun mit der Nummer 123180, in das Außenlager, für das sie schon in Ravensbrück ausgesucht worden war: Das Agfa-Kommando in München-Giesing. Für hunderte Frauen beginnt dort jeder Tag um fünf Uhr morgens mit einem Appell. Dann müssen sie 20 Gehminuten weit quer durch die Stadt zum Agfa-Werk marschieren. Es gehört zum weitverzweigten IG-Farben-Konzern. Die Frauen werden dort gezwungen, Zeitzünder für Flachgranaten und Bauteile für andere Waffenysteme zu montieren. In der Werkshalle arbeiten auch zivile deutsche Frauen. Hendrika kommt an einem Tisch, an dem auch eine gewisse Frau Wölfl und ein Fräulein Bähr sitzen. Frau Wölfl isst in einer Arbeitspause einen Apfel und bietet Hendrika auch einen an. Sie kann es nach der unmenschlichen Behandlung in Herzogenbusch und Ravensbrück nicht fassen: „Eine deutsche Frau hat mir einen Apfel mitgebracht!“ Immer um 18 Uhr werden die weiblichen Häftlinge in ihr Quartier in einem halb fertigen Wohnblock gebracht. Trotz häufiger Bombenangriffe dürfen die Gefangenen keinen Schutz in Bunkern suchen. Vor Weihnachten schwindet die Hoffnung auf baldige Freilassung durch die deutsche Gegenoffensive in den Ardennen. Nach dem Jahreswechsel ist die Straße aus Dachau wegen der Luftangriffe und Zerstörungen so gut wie unpassierbar. Lebensmitteltnachschub bleibt aus. Viele unterernährte und überarbeitete Frauen erkranken an Typhus, Tuberkulose und und anderen Seuchen, kämpfen aber darum, so lange wie möglich im Kommando bleiben zu können, da die Verlegung in das überfüllte Krankenrevier im Stammlager mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Tod bedeuten würde.
„Die Welt war weiß, wir waren frei“.
Da geschieht etwas in der Geschichte der Konzentrationslager Einmaliges. Die Frauen streiken, obwohl darauf wegen Sabotage die Todesstrafe steht. Hendrika Heinsius schreibt später in ihren Memoiren: „Was am 12. Januar 1945 schließlich den Ausschlag gegeben hat, weiß ich eigentlich nicht mehr. Obwohl, soweit ich weiß, nie über die Möglichkeit eines Streiks gesprochen worden war, wurde kurz nach der Mittagspause plötzlich vorn im Saal die Arbeit niedergelegt. [...] Kurz danach saßen alle holländischen Frauen, als ob sie sich verabredet hätten, mit verschränkten Armen da“. Mary Vaders, eine andere Niederländerin, wird von einer weiteren Gefangenen als Anstifterin denunziert und in den „Bunker“ im KZ Dachau gebracht, aber nicht wie eigentlich schon beschlossen hingerichtet. Am 23. April endet die Arbeit. Material fehlt. Die Gefangenen dürfen in der Stimmung allgemeiner Auflösung selbst entscheiden, ob sie im Quartier bleiben oder mit dem Kommandanten nach Süden marschieren wollen. Hendrika entschied sich mit einigen Kameradinnen, den Marsch mitzumachen. Nach zwei Tagen erreicht die Kolonne die Gegend von Wolfratshausen nicht weit vom Starnberger See. Ohne Bewacher streifen Gruppen von Frauen auf der Suche nach Nahrung durch die Landschaft. Am 30. April sind endlich amerikanische Panzer zu sehen. Überall werden weiße Fahnen aus Fenstern gehängt. Gleichzeitig fällt Schnee. Bei diesem Anblick drängt sich Hendrika der Vergleich mit dem Weiß der Kapitulation auf: „Diese Nacht hatte es geschneit. [...] Die Welt war weiß. Wir waren frei.” Über die Schweiz, Paris und Brüssel kommen die niederländischen Frauen am 21. Mai in ihrem Heimatland an. Soldaten bringen Hendrika vier Tage später nach Amsterdam. Für sie ist der Krieg zu Ende.
Ehrung in Jerusalem
Hendrika Heinsius wird von der niederländischen Regierung mit dem Widerstands-Gedenkkreuz ausgezeichnet. Ab 1946 arbeitet sie bei der „Stiftung 1940 – 1945”. Deren Aufgabe ist die Hilfe für Menschen, die aus deutschen Konzentrationslagern zurückgekehrt sind. Hendrika beantwortet am Telefon Fragen von Anrufern und versucht, ihnen bei der Lösung ihrer Probleme weiterzuhelfen. Im Büro lernt sie ihren späteren Ehemann Poet Gerritsen kennen, den sie 1950 heiratet. 1949 reisen beiden nach Deutschland und wollen in Naturfreundehäusern übernachten, weil sie dort wohl auf Menschen treffen werden, die „gut waren im Krieg”. In Limburg sieht Hendrika eines Tages eine Frau, die sie kennt: Eine ehemalige Aufseherin aus Ravensbrück. Sofort brechen beide die Reise ab. Kurze Zeit später erkrankt Hendrika schwer. In einer Klinik erfährt sie, dass sie wegen der körperlichen Strapazen in den Konzentrationslagern keine Kinder gekommen kann. Das ist eine erschreckende Diagnose für beide Eheleute.1968 kaufen sie sich einen alten Bauernhof abseits von Amsterdam und renovieren ihn. An jedem Wochenende fahren sie dorthin. 1989 macht das Paar eine Reise nach Israel. In Jerusalem wird Hendrika von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. Sie erinnert sich an ihre Zeit in den Lagern und an einen Gedanken, den sie dort oft hatte: „Dass ich in dieser Zeit fortwährend Menschen um mich hatte, die meinten, mich hassen zu müssen, hat mich noch am meisten verwirrt. Die Aufseherinnen in Ravensbrück warfen mir vor, dass ich dreckig und voller Läuse war. Darin bildete ich keine Ausnahme, aber ich nahm es doch persönlich. [...] Sie nannten mich ein faules Stück Dreckvieh, weil sie fanden, dass ich faul wäre. Darin bildete ich keine Ausnahme, aber ich nahm es doch persönlich. Manchmal schlugen sie mich mit einem Stock. Darin bildete ich keine Ausnahme, aber ich nahm es doch persönlich. [...] Die Vorwürfe, die Beleidigungen und das Schlagen waren also persönliche Racheaktionen; sie hassten mich sichtlich. Warum? Ich hatte ihnen doch nichts getan?“
Hendrika Gerritsen-Heinsius starb am 27. Dezember 1990 in Amsterdam.
Biografien weiterer Gerechter unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren und andere interessante Artikel: Link
Quellen:
https://collections.yadvashem.org/en/righteous/4043182
https://www.gedaechtnisbuch.org/gerritsen-heinsius-kiky/
https://www.delpher.nl/nl/kranten/view?coll=ddd&identifier=ABCDDD:010833219:mpeg21:a0223
https://archiv.hdbg.de/dachau/pdfs/10/10_02/10_02_03.PDF
https://www.verzetsmuseum.org/dachau/hendrika-jacoba-heinsius
Biografien weiterer Gerechter unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren und andere interessante Artikel: Link
Fotos: Louise Blazer empfängt ihre Urkunde als Gerechte unter den Völkern. Foto: Yad Vashem; Diese Stelle erinnert im Kurpark von Gaggenau an das Sicherungslager Rotenfels. Foto: Frank C. Müller CC-AS 3.0; Das Haupttor des Sicherungslagers Schirmeck-Vorbruck. Foto: André Maurer, GNU-FDL 1.2
Louise Blazer - Gerechte unter den Völkern aus dem KZ Dachau von Klemens Hogen-Ostlender
Der Staat Israel hat 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen geschaffen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise ausgezeichnet – nicht nur Männer aus dem Priesterblock, sondern auch Gefangene beiderlei Geschlechts aus der großen Zahl der Laien, die im Lager eingekerkert waren. Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft, und wenn sie verstorben sind auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum 1. Januar 2024 haben nach der neuesten Statistik 28.707 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 4.303 aus Frankreich. Eine von ihnen ist Louise Blazer.
Leben bis zur französischen Niederlage 1940
Louise Blazer erblickte am 22. September 1891 in Montbéliard im Nordosten des Landes als Tochter von Lucie und Emile Blazer, der Händler war, das Licht der Welt. Ihr Bruder Georges war ein Jahr älter, ihre Schwester Jenny sechs Jahre jünger. 1918 heiratete sie ihren Cousin Robert Blazer, der an einer unheilbaren Krankheit litt. Das Paar reiste mehrere Jahre lang durch Frankreich. 1936 starb Robert, und Louise kehrte in das große Familienhaus in Montbéliard zurück, wo auch ihr Vater lebte. Sie engagierte sich beim Roten Kreuz und im französischen Pfadfinderinnenverband und schloss sich einer gewerkschaftlichen Vereinigung an. Ihre Scoutlaufbahn begann sie bei der Gruppe „Pfadfinderinnen trotz allem“, die sich kranken Kindern widmete. 1939 nahm sie an einem internationalen Pfadfinderinnenlager für den Frieden in Budapest teil und kehrte kurz vor Kriegsausbruch nach Frankreich zurück. Nach der Niederlage und dem Waffenstillstand im Juni 1940 besuchte sie im Auftrag des Roten Kreuzes kriegsgefangene, verwundete, französische Soldaten. Die Deutschen beauftragten sie außerdem, die Leichen Hingerichteter zu identifizieren und deren Familien zu benachrichtigen. Louise Blazer nutzte ihre Position, um den Gegangenen bei der Beschaffung von Hilfsgütern zu helfen, hielt Kontakt zu ihren Familien und versuchte, ihnen zur Flucht zu verhelfen.
Der Weg in den Widerstand
Im Juni 1941 wurde sie zur Stadträtin von Montbéliard ernannt, zu einer Zeit, als Frauen noch keine wirklichen politischen Rechte besaßen. Diese Ernennung war durch das Gesetz vom 16. November 1940 zur Reorganisation der kommunalen Organe vorgeschrieben, das die Benennung einer „qualifizierten Frau zur Aufsicht über private Wohltätigkeits- und Hilfsprogramme“ vorschrieb. Paradoxerweise war es also das auf autoritären Prinzipien beruhende Vichy-Regime, das Frauen erstmals zur Mitarbeit in der Stadtverwaltung einlud – allerdings in einem Bereich, der damals als ausschließliche Domäne der Frauen galt. Gleich zu Beginn der deutschen Besatzungszeit hatte Louise Blazer mit der Hilfe und dem Einverständnis ihres Vaters, der 1941 starb, dutzende jüdischer Flüchtlinge aufgenommen. Unter ihnen war auch die Familie Rowinsky: Ephraim Rowinsky, ein Rabbiner polnischer Herkunft, seine Frau Judith Rowinsky und ihre sieben Kinder. Sie gewährte auch Mitgliedern der Résistance und anderen Untergetauchten Unterschlupf. Louise und ihre Schwester Jenny weiteten ihre Aktivitäten im Widerstand schließlich aus: Sie halfen Widerstandskämpfern bei der Flucht in die Schweiz, gewährten jungen Leuten, die nicht nach Deutschland in den Zwangsarbeitsdienst wollten, Unterschlupf und beteiligten sich an der Verteilung von Untergrundzeitungen. Zudem unterstützten sie die Familien von Deportierten. Die Flüchtlinge durften sich im ganzen Haus frei bewegen. Die Kinder vergnügten sich mit ihrem Spielzeug. Manchmal waren es so viele Menschen, dass die Gastgeberin ihnen sogar ihr eigenes Schlafzimmer zur Verfügung stellte und im Flur schlief. Und Louise Blazer nahm die täglich wachsenden Risiken ihrer illegalen Aktivitäten auf sich.
Weg mit dem gelben Stern
Als ihr eigenes Haus voll war, brachte sie verfolgte Juden bei Freunden unter. Am 22. Februar 1944 erfuhr Louise Blazer, dass Pierre Kahn, ein zwölfjähriger jüdischer Junge, bei einer Razzia der Deutschen in Montbéliard auf der Suche nach den letzten dort verbliebenen Juden verhaftet worden war. Piere erinnerte sich als längst Erwachsener lange nach dem Krieg selbstkritisch: „Wir waren sicher, dass die Vichy-Regierung uns beschützen würde. Ich war beruhigt. Mein Vater hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft. Seit Mai 1942 mussten Kinder ab sechs Jahren den gelben Stern tragen. Die Diskriminierung nahm zu. Natürlich fühlten wir uns anders als alle anderen. Aber das Leben ging mehr oder weniger weiter. Und dann, eines Tages im April 1943, wurden wir von Gewehrkolben geweckt, die gegen die Tür schlugen. Pierre hatte keine Zeit, sich von seinen Eltern zu verabschieden. Sie starben während des Transports nach Auschwitz oder dort nach der Selektion auf der Rampe. Lange Zeit tat der Sohn so, als wüsste er es nicht. Er wollte nicht glauben, dass sie tot waren. Er berichtete bis ins Hohe Alter von seinen Erfahrungen und sagte zum Beispiel 2016 im Gespräch mit Neuntklässlern der Lou-Blazer-Mittelschule in Montbéliard: „Wenn sie den gelben Stern nicht von meiner Jacke abgetrennt hätte, wäre ich heute nicht hier und könnte mit euch sprechen.“
Der Preis für den Widerstand
Louise Blazer besorgte ein gefälschtes Attest. Es behauptete, Pierre leide an Tuberkulose. Seine Beschützerin suchte in der Uniform einer Rotkreuzmitarbeiterin die deutsche Feldgendarmerie, die Militärpolizei, in der Kommandantur auf. Sie warnte die Gendarmen vor der angeblichen Ansteckungsgefahr und bekam von ihnen die Genehmigung, Pierre Kahn in ein Krankenhaus zu bringen. Dort besuchte sie ihn an den nächsten drei Tagen. Anschließend erreichte sie es, dass der Zwölfjährige in Sanatorium in der Nähe des 80 Kilometer entfernten Besançon verlegt wurde, aus dem sie ihn später wegschaffte. Kahn, der nach dem Krieg Apotheker wurde, bestätigte, dass Louise Blazer ihm das Leben gerettet hatte. Bei allen ihren Aktionen ignorierte Louise Blazer die allgegenwärtigen Gefahren und zahlreiche Warnungen. Sie bezahlte für ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus einen hohen Preis und wurde am 16. November 1944 in Montbéliard verhaftet, nur einen Tag vor der Befreiung der Stadt durch die Alliierten. Die Gründe für ihre Festnahme waren außer sogenannter „Judenbegünstigung“ ihre aktive Rolle in der Résistance und die Unterstützung von Kriegsgefangenen. Kurz nach ihrer Festnahme wurde Louise zunächst in das Sicherungslager Schirmeck-Vorbruck im Elsass verschleppt. Von dort musste sie allerdings bald weiter, weil schon wenige Tage darauf auch diese Stadt von den Amerikanern eingenommen wurde. Nächste Station war das Sicherungslager Rotenfels, ein Außenlager des KZ Natzweiler im gleichnamigen Ortsteil von Gaggenau im Landkreis Rastatt.
KZ Dachau
Louise Blazer, die bereits eine fragile Gesundheit hatte, leistete dort vor allem moralischen Beistand für ihre Mitgefangenen. Die Bedingungen in den badischen Außenlagern waren in den Wintermonaten 1944/45 durch Hunger und Kälte extrem hart. In den letzten Kriegswochen wurden viele Häftlinge aus den Lagern im Südwesten Deutschlands aufgrund des Vorrückens der Alliierten weiter nach Osten getrieben. Louise Blazer wurde schließlich in das KZ Dachau deportiert, wo sie Anfang April 1945 eintraf. Wahrscheinlich musste sie wie weibliche Häftlinge fast ausschließlich im Agfa-Kommando in München-Giesing Zwangsarbeit leisten. Den Evakuierungsmarsch Ende April in Richtung Süden machte sie allerdings nicht mit, weil ihre Gesundheit so marode war, dass sie wie andere schwer kranke Kameradinnen ins Stammlager in das dort eingerichtete Lazarett für Frauen geschickt wurde. Sie erlebte die Befreiung des Lagers Dachau durch die US-Armee am 29. April 1945. Aufgrund ihres Gesundheitszustandes konnte sie nicht sofort nach Frankreich zurück kehren sondern verbrachte mehrere Monate in einem Lazarett in Deutschland. Erst im August 1945 kehrte sie nach Montbéliard zurück.
Lou pflanzt einen Baum
Das Departements-Befreiungskomitee setzte ihren Namen auf die Kandidatenliste für die ersten Kommunalwahlen nach dm Krieg. Louise Blazer errang einen überwältigenden Erfolg und wurde mit 87 Prozent der Stimmen, mehr als der amtierende Bürgermeister, gewählt. Ihre Kollegen mochten sie jedoch trotzdem nicht in dieses Amt wählen. 1947 beschloss sie, nicht erneut für die Kommunalwahlen zu kandidieren: „Politik ist zwar auf nationaler Ebene notwendig, hat aber im Gemeinderat nichts zu suchen.“ Am 28. Juli 1966 wurde Louise Blazer von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. Sie nahm in einer Feierstunde selbst die Urkunde entgegen und pflanzte anschließend persönlich den Baum zu ihren Ehren im Garten der Gerechten. Louise Blazer starb kurz darauf, am 28. November 1966, in Montbéliard. Dort wurde 2010 das Louise-Blazer-Zentrum, eine medizinische und soziale Einrichtung, und 2015 die nach ihrem gängigen Rufnamen benannte Lou-Blazer-Mittelschule eröffnet. In Besançon trägt eine Straße ihren Namen.
Biografien weiterer Gerechter unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren und andere interessante Artikel: Link
Quellen:
https://yadvashem-france.org/justes/nom/blazer-louise/
https://collections.yadvashem.org/en/righteous/search-results/blazer?page=1
https://fr.wikipedia.org/wiki/Louise_Blazer
http://www.ajpn.org/juste-Lou-Blazer-286.html
https://www.estrepublicain.fr/guerre-et-conflit/2014/01/06/elle-a-decousu-mon-etoile
https://portail-archives.doubs.fr/page/lou-blazer-resistante-conseillere-municipale-et-juste-parmi-les-nations
http://fr.wikipedia.org/wiki/Montbéliard
Biografien weiterer Gerechter unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren und andere interessante Artikel: Link
Bildtexte:
blazerurkunde: Louise Blazer empfängt ihre Urkunde als Gerechte unter den Völkern. Foto: Yad Vashem
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Diese Stelle erinnert im Kurpark von Gaggenau an das Sicherungslager Rotenfels. Foto: Frank C. Müller CC-AS 3.0
blazertor: Das Haupttor des Sicherungslagers Schirmeck-Vorbruck. Foto: André Maurer, GNU-FDL 1.2
Louise Blazer - Gerechte unter den Völkern aus dem KZ Dachau von Klemens Hogen-Ostlender
Der Staat Israel hat 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen geschaffen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise ausgezeichnet – nicht nur Männer aus dem Priesterblock, sondern auch Gefangene beiderlei Geschlechts aus der großen Zahl der Laien, die im Lager eingekerkert waren. Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft, und wenn sie verstorben sind auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum 1. Januar 2024 haben nach der neuesten Statistik 28.707 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 4.303 aus Frankreich. Eine von ihnen ist Louise Blazer.
Leben bis zur französischen Niederlage 1940
Louise Blazer erblickte am 22. September 1891 in Montbéliard im Nordosten des Landes als Tochter von Lucie und Emile Blazer, der Händler war, das Licht der Welt. Ihr Bruder Georges war ein Jahr älter, ihre Schwester Jenny sechs Jahre jünger. 1918 heiratete sie ihren Cousin Robert Blazer, der an einer unheilbaren Krankheit litt. Das Paar reiste mehrere Jahre lang durch Frankreich. 1936 starb Robert, und Louise kehrte in das große Familienhaus in Montbéliard zurück, wo auch ihr Vater lebte. Sie engagierte sich beim Roten Kreuz und im französischen Pfadfinderinnenverband und schloss sich einer gewerkschaftlichen Vereinigung an. Ihre Scoutlaufbahn begann sie bei der Gruppe „Pfadfinderinnen trotz allem“, die sich kranken Kindern widmete. 1939 nahm sie an einem internationalen Pfadfinderinnenlager für den Frieden in Budapest teil und kehrte kurz vor Kriegsausbruch nach Frankreich zurück. Nach der Niederlage und dem Waffenstillstand im Juni 1940 besuchte sie im Auftrag des Roten Kreuzes kriegsgefangene, verwundete, französische Soldaten. Die Deutschen beauftragten sie außerdem, die Leichen Hingerichteter zu identifizieren und deren Familien zu benachrichtigen. Louise Blazer nutzte ihre Position, um den Gegangenen bei der Beschaffung von Hilfsgütern zu helfen, hielt Kontakt zu ihren Familien und versuchte, ihnen zur Flucht zu verhelfen.
Der Weg in den Widerstand
Im Juni 1941 wurde sie zur Stadträtin von Montbéliard ernannt, zu einer Zeit, als Frauen noch keine wirklichen politischen Rechte besaßen. Diese Ernennung war durch das Gesetz vom 16. November 1940 zur Reorganisation der kommunalen Organe vorgeschrieben, das die Benennung einer „qualifizierten Frau zur Aufsicht über private Wohltätigkeits- und Hilfsprogramme“ vorschrieb. Paradoxerweise war es also das auf autoritären Prinzipien beruhende Vichy-Regime, das Frauen erstmals zur Mitarbeit in der Stadtverwaltung einlud – allerdings in einem Bereich, der damals als ausschließliche Domäne der Frauen galt. Gleich zu Beginn der deutschen Besatzungszeit hatte Louise Blazer mit der Hilfe und dem Einverständnis ihres Vaters, der 1941 starb, dutzende jüdischer Flüchtlinge aufgenommen. Unter ihnen war auch die Familie Rowinsky: Ephraim Rowinsky, ein Rabbiner polnischer Herkunft, seine Frau Judith Rowinsky und ihre sieben Kinder. Sie gewährte auch Mitgliedern der Résistance und anderen Untergetauchten Unterschlupf. Louise und ihre Schwester Jenny weiteten ihre Aktivitäten im Widerstand schließlich aus: Sie halfen Widerstandskämpfern bei der Flucht in die Schweiz, gewährten jungen Leuten, die nicht nach Deutschland in den Zwangsarbeitsdienst wollten, Unterschlupf und beteiligten sich an der Verteilung von Untergrundzeitungen. Zudem unterstützten sie die Familien von Deportierten. Die Flüchtlinge durften sich im ganzen Haus frei bewegen. Die Kinder vergnügten sich mit ihrem Spielzeug. Manchmal waren es so viele Menschen, dass die Gastgeberin ihnen sogar ihr eigenes Schlafzimmer zur Verfügung stellte und im Flur schlief. Und Louise Blazer nahm die täglich wachsenden Risiken ihrer illegalen Aktivitäten auf sich.
Weg mit dem gelben Stern
Als ihr eigenes Haus voll war, brachte sie verfolgte Juden bei Freunden unter. Am 22. Februar 1944 erfuhr Louise Blazer, dass Pierre Kahn, ein zwölfjähriger jüdischer Junge, bei einer Razzia der Deutschen in Montbéliard auf der Suche nach den letzten dort verbliebenen Juden verhaftet worden war. Piere erinnerte sich als längst Erwachsener lange nach dem Krieg selbstkritisch: „Wir waren sicher, dass die Vichy-Regierung uns beschützen würde. Ich war beruhigt. Mein Vater hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft. Seit Mai 1942 mussten Kinder ab sechs Jahren den gelben Stern tragen. Die Diskriminierung nahm zu. Natürlich fühlten wir uns anders als alle anderen. Aber das Leben ging mehr oder weniger weiter. Und dann, eines Tages im April 1943, wurden wir von Gewehrkolben geweckt, die gegen die Tür schlugen. Pierre hatte keine Zeit, sich von seinen Eltern zu verabschieden. Sie starben während des Transports nach Auschwitz oder dort nach der Selektion auf der Rampe. Lange Zeit tat der Sohn so, als wüsste er es nicht. Er wollte nicht glauben, dass sie tot waren. Er berichtete bis ins Hohe Alter von seinen Erfahrungen und sagte zum Beispiel 2016 im Gespräch mit Neuntklässlern der Lou-Blazer-Mittelschule in Montbéliard: „Wenn sie den gelben Stern nicht von meiner Jacke abgetrennt hätte, wäre ich heute nicht hier und könnte mit euch sprechen.“
Der Preis für den Widerstand
Louise Blazer besorgte ein gefälschtes Attest. Es behauptete, Pierre leide an Tuberkulose. Seine Beschützerin suchte in der Uniform einer Rotkreuzmitarbeiterin die deutsche Feldgendarmerie, die Militärpolizei, in der Kommandantur auf. Sie warnte die Gendarmen vor der angeblichen Ansteckungsgefahr und bekam von ihnen die Genehmigung, Pierre Kahn in ein Krankenhaus zu bringen. Dort besuchte sie ihn an den nächsten drei Tagen. Anschließend erreichte sie es, dass der Zwölfjährige in Sanatorium in der Nähe des 80 Kilometer entfernten Besançon verlegt wurde, aus dem sie ihn später wegschaffte. Kahn, der nach dem Krieg Apotheker wurde, bestätigte, dass Louise Blazer ihm das Leben gerettet hatte. Bei allen ihren Aktionen ignorierte Louise Blazer die allgegenwärtigen Gefahren und zahlreiche Warnungen. Sie bezahlte für ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus einen hohen Preis und wurde am 16. November 1944 in Montbéliard verhaftet, nur einen Tag vor der Befreiung der Stadt durch die Alliierten. Die Gründe für ihre Festnahme waren außer sogenannter „Judenbegünstigung“ ihre aktive Rolle in der Résistance und die Unterstützung von Kriegsgefangenen. Kurz nach ihrer Festnahme wurde Louise zunächst in das Sicherungslager Schirmeck-Vorbruck im Elsass verschleppt. Von dort musste sie allerdings bald weiter, weil schon wenige Tage darauf auch diese Stadt von den Amerikanern eingenommen wurde. Nächste Station war das Sicherungslager Rotenfels, ein Außenlager des KZ Natzweiler im gleichnamigen Ortsteil von Gaggenau im Landkreis Rastatt.
KZ Dachau
Louise Blazer, die bereits eine fragile Gesundheit hatte, leistete dort vor allem moralischen Beistand für ihre Mitgefangenen. Die Bedingungen in den badischen Außenlagern waren in den Wintermonaten 1944/45 durch Hunger und Kälte extrem hart. In den letzten Kriegswochen wurden viele Häftlinge aus den Lagern im Südwesten Deutschlands aufgrund des Vorrückens der Alliierten weiter nach Osten getrieben. Louise Blazer wurde schließlich in das KZ Dachau deportiert, wo sie Anfang April 1945 eintraf. Wahrscheinlich musste sie wie weibliche Häftlinge fast ausschließlich im Agfa-Kommando in München-Giesing Zwangsarbeit leisten. Den Evakuierungsmarsch Ende April in Richtung Süden machte sie allerdings nicht mit, weil ihre Gesundheit so marode war, dass sie wie andere schwer kranke Kameradinnen ins Stammlager in das dort eingerichtete Lazarett für Frauen geschickt wurde. Sie erlebte die Befreiung des Lagers Dachau durch die US-Armee am 29. April 1945. Aufgrund ihres Gesundheitszustandes konnte sie nicht sofort nach Frankreich zurück kehren sondern verbrachte mehrere Monate in einem Lazarett in Deutschland. Erst im August 1945 kehrte sie nach Montbéliard zurück.
Lou pflanzt einen Baum
Das Departements-Befreiungskomitee setzte ihren Namen auf die Kandidatenliste für die ersten Kommunalwahlen nach dm Krieg. Louise Blazer errang einen überwältigenden Erfolg und wurde mit 87 Prozent der Stimmen, mehr als der amtierende Bürgermeister, gewählt. Ihre Kollegen mochten sie jedoch trotzdem nicht in dieses Amt wählen. 1947 beschloss sie, nicht erneut für die Kommunalwahlen zu kandidieren: „Politik ist zwar auf nationaler Ebene notwendig, hat aber im Gemeinderat nichts zu suchen.“ Am 28. Juli 1966 wurde Louise Blazer von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. Sie nahm in einer Feierstunde selbst die Urkunde entgegen und pflanzte anschließend persönlich den Baum zu ihren Ehren im Garten der Gerechten. Louise Blazer starb kurz darauf, am 28. November 1966, in Montbéliard. Dort wurde 2010 das Louise-Blazer-Zentrum, eine medizinische und soziale Einrichtung, und 2015 die nach ihrem gängigen Rufnamen benannte Lou-Blazer-Mittelschule eröffnet. In Besançon trägt eine Straße ihren Namen.
Quellen:
https://yadvashem-france.org/justes/nom/blazer-louise/
https://collections.yadvashem.org/en/righteous/search-results/blazer?page=1
https://fr.wikipedia.org/wiki/Louise_Blazer
http://www.ajpn.org/juste-Lou-Blazer-286.html
https://www.estrepublicain.fr/guerre-et-conflit/2014/01/06/elle-a-decousu-mon-etoile
https://portail-archives.doubs.fr/page/lou-blazer-resistante-conseillere-municipale-et-juste-parmi-les-nations
https://fr.wikipedia.org/wiki/Montbéliard
Biografien weiterer Gerechter unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren und andere interessante Artikel: Link
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