

Foto: Bronzene Gedenktafel für Stanislaw Kielbasinski im Gebäude der Fakultät für Chemie in Lodz. Die Inschrift würdigt seine Verdienste um die Fakultät, den Lehrstuhl für Kautschuktechnologie und die 1938 im südpolnischen Debica eröffnete Kautschuksynthesefabrik. Bild: chrumps CC-AS 4.0
Stanislaw Kielbasinski - Gerechte unter den Völkern aus dem KZ Dachau
von Klemens Hogen-Ostlender
Der Staat Israel schuf 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zeichnete auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise aus – nicht nur Männer aus dem Priesterblock, sondern auch Gefangene beiderlei Geschlechts aus der großen Zahl der Laien, die im KZ eingekerkert waren. Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft und wenn sie verstorben sind, auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum Stichtag 1. Januar 2024 haben 28.707 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 7.318 aus Polen. Einer von ihnen ist Stanislaw Kielbasinski.
Internationale Tätigkeit
Stanislaw Kielbasinski wurde am 26. September 1882 in Tuszyn in der Nähe von Lodz geboren. Nach dem Schulbesuch studierte er in Berlin Chemie und in Wien Philosophie und wurde anschließend als Chemiker und Technologe als Professor an der Technischen Universität Lodz. 1911 erwarb er den Doktorgrad der Philosophie an der Universität Wien und zog für zwei Jahre nach Darmstadt, wo er an der dortigen Technischen Hochschule lehrte. Von 1913 bis 1920 beschäftigte er sich in Moskau mit der Erforschung der Synthese von Kautschuk aus Ethylalkohol. Die Ergebnisse ermöglichten 1932 die Aufnahme der industriellen Produktion von synthetischem Kautschuk in der Sowjetunion und 1938 in Polen, in Debica ostwärts von Krakau. Parallel dazu beschäftigte sich Kielbasinski mit der Verbesserung der Synthese von Arsenbenzol-Medikamenten. Sie waren die ersten gezielten chemotherapeutischen Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten. Stanislaw Kielbasinski war auf diesem Gebiet zunächst in Moskau und nach seiner Rückkehr nach Polen in den der Stadt Zgierz und Warschau tätig. Die von ihm entwickelte Methode zur Synthese von Neosalvarsan, einem Medikament zur Behandlung von Syphilis, wurde in vielen Ländern patentiert.
Hilfe für bedrohte Juden
Die Zeit der deutschen Besetzung verbrachte Stanislaw Kielbasinski in Warschau als Angestellter einer chemisch-pharmazeutischen Firma in Warschau. Er hatte jüdische Freunde aus seiner Kindheit und Verbindungen zur Untergrundorganisation Zegota, die Juden half, die aus dem Ghetto geflohen waren. Izabela Kielbasinska, seine Frau, war jüdischer Herkunft. Sie drängte ihre jüdischen Freunde und Verwandten, aus dem Ghetto zu fliehen und boten ihnen sichere Verstecke an. Das Ehepaar suchte und fand geeignete Wohnungen, um diese Menschen zu verstecken, unterstützte sie finanziell aus dem Budget der Zegota und versorgte sie mit gefälschten „arischen” Dokumenten, die sie von der polnischen Heimatarmee erhalten hatten. Viele verdanken ihnen ihr Leben, darunter der Wissenschaftler Professor Ludwik Hirszfeld, seine Frau Hanna und seine Schwester Josefa, Lucja Konorska, Irena Ewenson und ihre Mutter.
„Intelligenzaktion“
Verhaftet wurde Stanislaw Kielbasinski von den Deutschen aber im Rahmen der so genannten „Intelligenzaktion“, die die völlige Vernichtung der polnischen Elite zum Ziel hatte. Am 19. April 1940 wurde er in das Konzentrationslager Dachau deportiert und erhielt dort die Häftlingsnummer 147 714. Im Zugangsbuch wurde der Name seines Wohnorts Jadwisin bei Warschau fälschlich als Jafwisin notiert. Durch Bestechung gelang es dem Neuankömmling, nach gut drei Monaten seine Freilassung am 31. Juli desselben Jahres zu erreichen. In seine Heimat zurückgekehrt begab er sich durch seine Hilfe für verfolgte Juden selbst in Gefahr. Im Sommer 1942, als die große Deportation der Warschauer Juden aus dem Ghetto nach Treblinka begann, wurde seine Wohnung in der Saska-Straße zu einer Durchgangsstation für assimilierte jüdische Intellektuelle, die auf der „arischen” Seite nach Verstecken suchten.
Nach dem Kriegsende
Am 1. Juli 1945 wurde er vom Senat der Technischen Universität Lodz zum Professor am Lehrstuhl für Kautschuk- und Kunststofftechnologie ernannt und im November desselben Jahres zum Leiter des Lehrstuhls für Arzneimitteltechnologie an der Pharmazeutischen Fakultät der Universität Lodz. Er leitete Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der Monomersynthese, die die Basis für die Herstellung von Kunststoffen schafft, und der Kautschukverarbeitung. Unter seiner Leitung entstanden etwa hundert Diplomarbeiten. Er war Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates des Instituts für Kunststoffe der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau.
Stanislaw Kielbasinski hatte drei Leidenschaften: Wissenschaft, Lehre und Organisation. Er entwickelte persönlich die Lehrpläne für viele in Polen unbekannte Fachrichtungen an Universitäten und Technischen Hochschulen. Er war außerdem aktiv an der Arbeit der Vorstände der Nikolaus-Kopernikus-Gesellschaft der Naturforscher und der Polnischen Chemischen Gesellschaft beteiligt , war Vorsitzender der Unterabteilung Polymere beim I. Kongress der Polnischen Wissenschaft und Vorsitzender des Organisationskomitees der I. Nationalen Wissenschaftskonferenz für Polymerchemie, die 1954 an der Technischen Universität Lodz organisiert wurde und außerdem Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates des Instituts für Kunststoffe der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau. Stanislaw Kielbasinski starb am 19. Mai 1955 und hinterließ zwei wissenschaftlich und didaktisch lebendige Einrichtungen an der Technischen Universität und an der Medizinischen Akademie in Lodz. Am 7. November 2000 erkannte Yad Vashem Stanislaw Kielbasinski als Gerechten unter den Völkern an.
Weitere bisher veröffentlichte Biografien von Gerechten unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren: Link
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Bildunterschrift zu grüberyad: Propst Heinrich Grüber. Foto:https://www.yadvashem.org
Heinrich Grüber- Gerechter unter den Völkern aus dem KZ Dachau
von Klemens Hogen-Ostlender
Der Staat Israel hat 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen geschaffen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise ausgezeichnet – nicht nur Männer aus dem Priesterblock, sondern auch Gefangene beiderlei Geschlechts aus der großen Zahl der Laien, die im KZ eingekerkert waren. Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft und wenn sie verstorben sind, auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum Jahr 2025 haben 28.486 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 659 Deutsche und 115 Österreicher. Wir stellen ehemalige Dachauer Häftlinge in loser Folge hier vor.
Heinrich Grübers wechselvoller Lebensweg
Der 1891 in Stolberg bei Aachen geborene Heinrich Grüber wollte zunächst in die beruflichen Fußstapfen des Vaters treten, der Lehrer war, und studierte Philosophie, Geschichte und evangelische Theologie in Bonn, Berlin und Utrecht. Er entschloss sich dann aber zum Pfarrdienst und legte Ostern 1914 am rheinischen Konsistorium in Koblenz das erste theologische Examen ab. Es folgte eine kurze Zeit als Vikar in Wuppertal im Dienst der rheinischen Pastoralhilfsgesellschaft. Im Ersten Weltkrieg kämpfte Heinrich Grüber vom Januar 1915 bis zum Frühjahr 1918 als Artillerist, absolvierte dann einen Lehrgang zum Militärpfarrer und war nach Kriegsende 1918/19 kurz als Hilfsprediger in Stolberg tätig. Dann absolvierte er das Berliner Domkandidatenstift, ehe er 1920 seine erste Pfarrstelle in Dortmund-Brackel erhielt.
Als Staatssekretär im Gespräch
Noch einmal zog es ihn in die rheinische Heimat, als er 1925 die Stelle als Erziehungsleiter in der Rettungsanstalt Düsselthal für Waisen- und Straßenkinder in einem Stadtteil von Düsseldorf antrat. Mit seinen modernen Konzepten vermochte er sich nicht gegen den leitenden Anstaltspfarrer durchzusetzen, und so wechselte er bereits 1926 nach Brandenburg, nunmehr als Direktor des Erziehungsheims Waldhof in Templin. Heinrich Grüber wurde Mitglied des Nationalen Clubs, einer Vereinigung der Nationalen Rechten mit Kontakt zum Frontsoldatenbund „Stahlhelm“. Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler war er kurz sogar als Staatssekretär im Reicharbeitsministerium im Gespräch. Noch 1933 wandte sich Grüber aber gegen die nun offen erkennbare nationalsozialistische Diktatur und schloss sich dem Pfarrernotbund an, aus dem später die Bekennende Kirche hervorging
Gründung des Büros Grüber
1937 wurde Grüber aus nicht mehr nachvollziehbarem Grund erstmals von der Gestapo verhaftet. Als Seelsorger auch der evangelischen Niederländer in Berlin war er aus ihren Kreisen immer wieder um Hilfe bei der Auswanderung für Menschen, die vom jüdischen Glauben zum evangelischen konvertiert waren, gebeten worden. So wurde ihm die Not vor allem der Christen jüdischer Herkunft deutlich, für die er sich sowohl bei den Behörden als auch in der eigenen Kirche einsetzte. Die offiziellen evangelischen Landeskirchen versagten ihren als Juden verfolgten Mitgliedern fast jede Hilfe und das, obwohl etwa vier Fünftel der „nichtarischen christlichen Deutschen“ Protestanten waren. Der Pastor entschloss sich schließlich, das „Büro Grüber“ zu gründen, einer Einrichtung mit staatlicher Anerkennung als Organisation zur Förderung der Auswanderung als „Hilfsstelle für nichtarische Christen“. Die meisten ihrer Mitarbeiter wurden selbst wegen ihrer Herkunft aus dem Judentum verfolgt.
Einsatz für verfolgte Juden
Nicht nur während des im gesamten Deutschen Reich von den Nationalsozialisten organisierten Novemberpogroms von 1938, sondern auch in den Wochen und Monaten danach, flohen Juden zu den Grübers ins Pfarrhaus. Der Pastor berichtete später: „Ich versuchte … jene gehetzten Menschen, die bei uns anklopften, irgendwo unterzubringen ... Menschen, die sich nicht trauten, in ihren Wohnungen zu bleiben. Sie wurden von uns vorwiegend in den Laubenkolonien im Norden und Osten von Kaulsdorf versteckt". Andere Juden wurden verhaftet und nur wieder freigelassen, wenn sie sich bereit erklärten, Deutschland umgehend zu verlassen. Daher wurde die Beschaffung von Visa die Hauptaufgabe des Büros Grüber. Nach der staatlichen Anerkennung des Büros erhielt sein Leiter mehrmals Ausreisevisa in die Niederlande und Großbritannien, um dort für die Aufnahme deutscher Flüchtlinge zu werben.
Was Adolf Eichmann nicht verstehen konnte
Ab September 1939 unterstand das Büro Grüber der Aufsicht von Adolf Eichmann. Als Grüber 1961 als einziger deutscher Zeuge im Jerusalemer Prozess gegen den Mann aussagte, der die Ermordung von schätzungsweise sechs Millionen Menschen organisiert hatte, erwähnte er auch, dass der Obersturmbannführer die Beweggründe für sein Handeln nicht verstehen konnte: „In einer Besprechung über Auswanderung fragte Eichmann: „Erklären Sie mir den Grund, warum Sie sich für diese Juden einsetzen. Sie haben keine jüdische Verwandtschaft. Sie haben es nicht nötig, für diese Menschen einzutreten. Niemand wird es Ihnen danken! Ich begreife nicht, warum Sie es tun!“ Grüber antwortete: „Sie kennen die Straße von Jerusalem nach Jericho. Auf dieser Straße lag einmal ein überfallener und ausgeplünderter Jude. Ein Mann, der durch Rasse und Religion von ihm getrennt war, ein Samariter, kam und half ihm. Der Herr, auf dessen Befehle ich allein höre, sagt mir: Gehe du hin und tue desgleichen“.
Protest bei Hermann Göring
1939/40 ließ das NS-Regime Juden aus Österreich und aus der Gegend von Stettin ins besetzte Polen deportieren, darunter auch zum Christentum konvertierte. Grüber protestierte dagegen bei jeder höheren Dienststelle bis hinauf zum preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring. Der verbot daraufhin zunächst weitere Deportationen aus Preußen. Ende 1940 wurden tausende deutsche Juden ins Internierungslager Gurs im unbesetzten Frankreich deportiert, in den Machtbereich des Vichy-Regimes. Heinrich Grüber wollte die Verschleppten dort aufsuchen, wurde aber am 19. Dezember 1940 kurz vor seiner Abreise von der Gestapo verhaftet. Seit 1938 hatte er, soweit es nach Unterlagen des Büros rekonstruierbar ist, 1.138 zum Christentum übergetretenen Juden, deren Ehegatten und Nachkommen Visa ins Ausland verschafft. Nun wurde das Büro aufgelöst und die meisten Mitarbeiter ebenfalls verhaftet.
Leidenszeit im KZ
Am 21. Dezember 1940 kam Heinrich Grüber zunächst ins KZ Sachsenhausen, am 10. Oktober 1941 dann in den Priesterblock des KZ Dachau. Beeindruckt zeigte er sich von der Lagerdisziplin vor allem der gefangenen Kommunisten. Er wurde in Dachau Blockältester, eine Häftlingskategorie, die die SS als Aufseher über Mitgefangene einsetzte. Einmal schlugen zwei Wärter ihn in Dachau so brutal, dass er alle Zähne verlor. Im August 1942 musste er unmittelbar erleben, wie Werner Sylten, sein früherer Stellvertreter im Büro, in einem „Invalidentransport" zur Vernichtungsstätte Schloss Hartheim bei Linz gebracht wurde, wo er dann in der Gaskammer starb. Grüber erlitt außerdem mehrere Herzinfarkte und wurde nur Dank des Einflusses seines Schwagers, eines Industriellen, am 21. Juni 1943 entlassen. Er übernahm unter strengen Auflagen wieder seine Pfarrstelle in Kaulsdorf und berichtete in geschlossenen Veranstaltungen der Bekennenden Kirche ihren Anhängern von seinen Erfahrungen in den Konzentrationslagern. Am 22. April 1945 sammelte Heinrich Grüber Unerschrockene um sich, die Gruppe zog der einmarschierenden Roten Armee mit weißen Fahnen entgegenzugehen, um Blutvergießen zu verhindern.
Berufung zum Propst
Während der massenhaften Vergewaltigungen durch sowjetische Soldaten in folgenden Wochen und Monaten half Heinrich Grüber, Frauen und Mädchen sich zu verstecken. Nach einer kurzen Amtszeit als Bürgermeister des jetzt im Ostteil Berlins unter sowjetischer Verwaltung stehenden Kaulsdorf wurde er im neuen Magistrat stellvertretender Leiter des Beirats für Kirchenfragen. Grüber eröffnete wieder sein altes Büro, jetzt, um heimkehrenden Deportierten und anderen Opfern des NS-Regimes zu helfen. Im Sommer gelangte er als Propst der Kirchen St. Marien und St. Nikolai im Ostsektor in eine leitende Position in den neu aufzubauenden Kirchenorganen. Aus seinem Büro wurde die Evangelische Hilfestelle für ehemals Rasseverfolgte.
Zwischen Ost und West
Mit seinen Kontakten auch zu kommunistischen ehemaligen KZ-Häftlingen versuchte Grüber ab 1949 als Generalbevollmächtigter des Rates der EKD bei der Regierung der DDR, die zunehmende Unterdrückung der Kirche wenigstens abzumildern. Als der staatliche Kirchensteuereinzug 1956 in der DDR abgeschafft wurde, wies der Propst in der Tageszeitung „Neue Zeit“ der Ost-CDU auf die Notwendigkeit der Steuern für die Kirche hin. 1957 wandelte Heinrich Grüber die Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte in eine Stiftung um, die seither ihre baulichen Einrichtungen und Heimangebote ausgeweitet hat, um dem steigenden Bedarf an Wohnheimplätzen, Fürsorge und Pflege von oft verarmten ehemals Verfolgten gerecht werden zu können. Im Westen kritisierte man in jener Zeit Grübers Bereitschaft, kommunistische Positionen wiederzugeben. Nun zeigte sich erneut wie 1938/ 1939 seine für viele irritierende Tendenz, sich aus taktischen Motiven heraus der sprachlichen Diktion der jeweiligen Machthaber anzupassen. Durch politische Predigten fiel Grüber der DDR-Regierung wiederholt unangenehm auf. 1958 ließ sie ihn endgültig fallen. Nach dem Mauerbau 1961 durfte er aus Westberlin nicht mehr einreisen, so dass er seine Aufgabe als Propst nicht mehr erfüllen konnte.
Ehrungen
Im Westen Berlins und auf seinen zahlreichen Reisen setzte Heinrich Grüber sich weiter für die christlich-jüdische Verständigung ein. Er predigte gegen den Rüstungswettlauf und den Kalten Krieg und war Gründungs- und Kuratoriumsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Aus seinen zahlreichen Ehrungen ragen folgende heraus: 1964 erhielt er von Yad Yashem die Anerkennung als Gerechter unter den Völkern. 1965 wurde ihm die Carl-von-Ossietzky-Medaille verliehen. Seit 1966 war er Ehrenpräsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. 1965 eröffnete die Stiftung Evangelische Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte auf ihrem Zehlendorfer Gelände ein Krankenhaus und Pflegeheim namens Margarete-Grüber-Haus. Grüber veröffentlichte 1968 seine Memoiren „Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten“. 1970 erhielt er die Ehrenbürgerwürde von Berlin. Heinrich Grüber starb 1975 in Berlin an Herzversagen und wurde in einem Ehrengrab auf dem Evangelischen Friedhof der Domkirchengemeinde in der Müllerstraße beerdigt. Seine Frau Margarete führte bis zu ihrem Tode 1986 die Stiftung weiter.
Weitere bisher veröffentlichte Biografien von Gerechten unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren: Link
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