

Erinnerungen an Pater Roth: Ein Abend wie ein Klassentreffen im Adolf-Hölzl-Haus in Dachau-Ost
34 Besucherinnen und Besucher erinnerten sich in Dachau an das Wirken von Pater Roth – ein Vortrag von Monika Lücking brachte Geschichte und persönliche Erinnerungen zusammen.
Dachau, 30. Oktober 2026 – Ein Abend voller Geschichte, persönlicher Erinnerungen und bewegender Begegnungen: Am Freitagabend fand im Adolf-Hölzl-Haus in Dachau ein Vortrag von Monika Lücking über Pater Roth statt. Organisiert wurde der Abend von den beiden Dachauer Vereinen „Zum Beispiel Dachau e.V.“ und dem Verein „Selige Märtyrer von Dachau e.V.“ in Kooperation. 34 Besucherinnen und Besucher waren gekommen, viele von ihnen hatten Pater Roth noch persönlich gekannt.
Schon vor Beginn des Vortrags wurde deutlich, wie lebendig die Erinnerungen an den Geistlichen bis heute sind. Zahlreiche Gäste begrüßten sich als Bekannte und erkannten sich und Familienangehörige auf den gezeigten Fotografien wieder. Immer wieder wurden gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen ausgetauscht. Die Atmosphäre erinnerte an ein Klassentreffen, bei dem sich Menschen nach langer Zeit wieder begegnen.
Für einen besonderen historischen Rahmen sorgte eine Ausstellung über Pater Roth aus dem Jahr 2004, die Mitglieder des Vereins „Zum Beispiel Dachau e.V.“ mitgebracht hatte. Sie wurde eigens für den Abend aufgebaut wurde und ergänzte den Vortrag um historische Dokumente und Bilder.
Monika Lücking führte die Zuhörerinnen und Zuhörer in einem klar gegliederten, chronologischen Vortrag durch die verschiedenen Lebensstationen von Pater Roth: von seiner Kindheit über das Studium in Berlin und eine Zeit der Entfernung vom Glauben bis hin zu seinem Klosterleben. Es folgten die Flucht in die Schweiz, seine Auslieferung unter dem Verdacht, ein Spion zu sein, und seine anschließende Haft, zuletzt im Konzentrationslager Dachau.
Besonders eindrucksvoll war sein seelsorgerischer Einsatz im Dachauer Internierungslager, in dem er 1.300 ehemalige SS-Männer zur Rückkehr in die Kirche führte. Als Zeichen ihrer Buße ließ Pater Roth von den Internierten eine Holzkirche auf dem Appellplatz errichten. Weitere Stationen seines Lebens waren seine Arbeit im Wohnlager Dachau-Ost für Heimatvertriebene und schließlich sein erzwungenes Verlassen Dachaus. Sein Leben endete später in den Bergen Vorarlbergs.
Wie sehr Pater Roth die Menschen seiner Umgebung geprägt hatte, wurde auch in den persönlichen Erinnerungen deutlich. Eine Besucherin fasste sein Wirken mit den Worten zusammen: „Er hat sich um alles gekümmert“ und „Er hat alles gegeben.“ Sie berichtete, dass sie damals nichts von seiner Erschöpfung und seinem Wunsch, versetzt zu werden, bemerkt hätten.
Auch Pater Roths Bemühungen um eine Gedenkstätte in Dachau wurden thematisiert. Sein Wunsch war es, einen Wallfahrtsort zu schaffen. Die amerikanische Besatzungsmacht ließ dies jedoch nicht zu. Immerhin konnte er im Jahr 1956 den ersten Grundstein für eine Gedenkstätte setzen. Dieser befindet sich heute auf dem ehemaligen Appellplatz, unter Plexiglas geschützt und kaum lesbar.
Eine besondere Überraschung erlebten die Veranstalter durch eine Besucherin, die Originalbriefe übergab, die sie selbst 1959 und 1960 von Pater Roth erhalten hatte. Die wertvollen Zeitdokumente wurden dem Archiv von „Zum Beispiel Dachau“ übergeben und bleiben damit für die historische Erinnerungsarbeit erhalten.
Auch wenn sich bei der abschließenden Fragerunde aufgrund der vielen persönlichen Erinnerungen immer wieder Nebengespräche entwickelten, zeigte sich vor allem eines: Pater Roth ist bei vielen Menschen in Dachau und darüber hinaus nicht vergessen. Der Abend machte deutlich, dass Geschichte nicht nur aus Daten und Dokumenten besteht, sondern vor allem durch die Menschen lebendig bleibt, die sie selbst erlebt haben und ihre Erinnerungen weitergeben.
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